Ready. MINDset. Go. 09/26
Miteinander reden, gemeinsam wachsen – Kommunikation mit Trainer und Team
Kommunikation ist im Sport weit mehr als der reine Austausch von Informationen. Sie beeinflusst, ob Aufgaben verstanden werden, Rückmeldungen angenommen werden können und sich Athletinnen und Athleten auch in schwierigen Phasen als Teil eines gemeinsamen Weges erleben. Ein kurzer Satz vor dem Wettkampf, ein Blick während des Trainings oder ein Gespräch nach einer Enttäuschung kann Sicherheit geben – oder zusätzliche Unruhe auslösen. Gute Kommunikation ist deshalb kein angenehmes Extra, sondern ein wichtiger Leistungsfaktor.
Besonders unter Druck wird sichtbar, wie tragfähig die Kommunikation zwischen Athletinnen und Athleten, Trainerinnen und Trainern sowie innerhalb eines Teams ist. Zeit ist knapp, Emotionen sind stark und jede Person nimmt eine Situation aus ihrer eigenen Perspektive wahr. Genau dann helfen klare Vereinbarungen, eine respektvolle Sprache und die Fähigkeit, zunächst verstehen zu wollen, bevor man reagiert.
Gute Kommunikation beginnt mit einer klaren Absicht
Vor einem Gespräch lohnt sich eine einfache Frage: Was soll nach diesem Austausch klarer oder besser sein? Wer lediglich Ärger loswerden möchte, spricht meistens anders als jemand, der eine Lösung sucht. Eine klare Absicht hilft dabei, Beobachtungen von Bewertungen zu trennen und ein konkretes Anliegen zu formulieren.
Vier Grundprinzipien unterstützen eine gelungene Kommunikation:
- Klarheit: Aussagen sind konkret, verständlich und auf die aktuelle Situation bezogen.
- Respekt: Kritik richtet sich an ein Verhalten oder eine Entscheidung, nicht an den Wert einer Person.
- Zuhören: Die Perspektive des Gegenübers wird ernst genommen und nicht vorschnell bewertet.
- Verbindlichkeit: Am Ende eines Gesprächs ist klar, wer was ausprobieren oder verändern möchte.
Feedback geben und annehmen
Feedback gehört zum sportlichen Alltag. Es ermöglicht Lernen, Orientierung und Weiterentwicklung. Gleichzeitig kann es Unsicherheit, Ärger oder Widerstand auslösen – besonders dann, wenn Athletinnen und Athleten viel investiert haben oder mit der eigenen Leistung unzufrieden sind.
Wirksames Feedback ist konkret, zeitnah und auf ein veränderbares Verhalten bezogen. Es beschreibt zunächst, was beobachtet wurde, erklärt die Wirkung und formuliert anschließend einen Wunsch oder einen nächsten Versuch. Persönliche Etiketten wie „unkonzentriert“, „egoistisch“ oder „zu sensibel“ helfen selten, weil sie wenig darüber aussagen, welches Verhalten tatsächlich verändert werden soll.
Eine hilfreiche Struktur lautet:
- Beobachtung: Was habe ich konkret gesehen oder gehört?
- Wirkung: Welche Auswirkung hatte dieses Verhalten?
- Wunsch: Was soll beim nächsten Mal anders gemacht werden?
Auch positives Feedback gewinnt durch Genauigkeit. Statt lediglich „Gut gemacht“ zu sagen, könnte eine Trainerin oder ein Trainer formulieren: „Du hast nach dem Fehler sofort wieder Blickkontakt aufgenommen und die nächste Aufgabe klar angesagt.“ Athletinnen und Athleten erfahren dadurch nicht nur, dass etwas gut war, sondern auch, welches konkrete Verhalten sie wiederholen können.
Kommunikation unter Druck
In intensiven Trainings- und Wettkampfsituationen sinkt die Aufnahmefähigkeit. Lange Erklärungen, mehrere Korrekturen gleichzeitig oder unklare Zurufe erhöhen die Belastung zusätzlich. Unter Druck sollte Kommunikation daher kurz, eindeutig und handlungsorientiert sein.
Trainerinnen und Trainer sowie Athletinnen und Athleten können bereits im Vorfeld kurze Schlüsselwörter vereinbaren. Gute Schlüsselwörter sind eindeutig, positiv formuliert und direkt mit einer Handlung verbunden. Beispiele dafür sind „ruhiger erster Kontakt“, „Blick nach vorne“, „früh entscheiden“ oder „gemeinsam verschieben“.
Vor einem Wettkampf können folgende Fragen hilfreich sein:
- Welche zwei Informationen sind heute wirklich entscheidend?
- Welches kurze Signal führt direkt zur gewünschten Handlung?
- Welche Art der Ansprache hilft den Athletinnen und Athleten in einer angespannten Situation?
Nach einem Fehler könnte ein Trainer beispielsweise nicht „Nicht wieder zu spät!“ rufen, sondern das zuvor vereinbarte Schlüsselwort „früh“ verwenden. Die Athletin oder der Athlet erhält dadurch eine umsetzbare Information, ohne gedanklich am Fehler hängen zu bleiben.
Kurze Kommunikation bedeutet jedoch nicht kalte oder unpersönliche Kommunikation. Auch ein knappes Signal kann Sicherheit und Vertrauen vermitteln, wenn seine Bedeutung vorher gemeinsam vereinbart wurde.
Konflikte frühzeitig und fair ansprechen
Konflikte entstehen nicht nur durch unterschiedliche Ziele oder Meinungen, sondern häufig durch unausgesprochene Erwartungen. Wer soll eine Entscheidung treffen? Wie direkt darf Kritik sein? Welche Informationen müssen weitergegeben werden? Was bleibt vertraulich? Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Gespräch?
Je länger solche Fragen ungeklärt bleiben, desto leichter werden Vermutungen zu vermeintlichen Gewissheiten. Aus einem nicht beantworteten Gruß wird dann möglicherweise mangelnder Respekt. Eine kurzfristige Trainingsänderung wird als Geringschätzung interpretiert. Eine kritische Rückfrage erscheint plötzlich wie ein Angriff auf die Kompetenz.
Für ein klärendes Gespräch ist ein ruhiger Zeitpunkt meistens besser geeignet als die emotionale Spitze unmittelbar nach einem Wettkampf oder Konflikt. Die Beteiligten sollten beim konkreten Anlass bleiben und Pauschalbegriffe wie „immer“, „nie“ oder „typisch“ vermeiden.
Hilfreiche Einstiege können sein:
- „Ich möchte eine Situation ansprechen, damit wir beim nächsten Mal klarer miteinander umgehen können.“
- „Mir ist wichtig, deine Sichtweise zu verstehen.“
- „Ich glaube, dass wir unterschiedliche Erwartungen hatten.“
- „Was brauchen wir, damit das beim nächsten Mal besser funktioniert?“
Das Ziel eines Konfliktgesprächs besteht nicht darin, jede Differenz vollständig aufzulösen. Unterschiedliche Meinungen dürfen bestehen bleiben. Entscheidend ist, trotz dieser Unterschiede respektvoll und arbeitsfähig zu bleiben.
Kommunikation im Team
Ein leistungsfähiges Team braucht psychologische Sicherheit. Athletinnen und Athleten müssen Fragen stellen, Unsicherheit benennen und auf Fehler hinweisen können, ohne Abwertung oder Ausgrenzung befürchten zu müssen. Psychologische Sicherheit bedeutet jedoch nicht, dass alles akzeptiert oder jede Leistung gleich bewertet wird. Sie verbindet Offenheit mit Verantwortung.
Jede Person trägt dazu bei, wichtige Informationen anzusprechen, Vereinbarungen einzuhalten und Rückmeldungen so zu geben, dass Lernen möglich bleibt. Dazu gehört auch, eigene Fehler zuzugeben und Kritik nicht nur gegenüber jüngeren oder weniger erfahrenen Teammitgliedern zu äußern.
Teambesprechungen werden klarer, wenn vorab einige Rollen und Fragen geklärt werden:
- Was ist das Ziel der Besprechung?
- Welche Entscheidung muss getroffen werden?
- Wer moderiert das Gespräch?
- Wer sollte seine Perspektive unbedingt einbringen?
- Wer fasst die nächsten Schritte zusammen?
Gerade ruhigere Teammitglieder sollten ausdrücklich eingeladen werden, ihre Sichtweise beizutragen. So wird Kommunikation weniger von Status, Lautstärke oder Redezeit bestimmt.
Selbstreflexionsfragen
- Wie kommuniziere ich, wenn ich mich sicher fühle – und was verändert sich bei mir unter Druck?
- Spreche ich konkrete Beobachtungen aus oder formuliere ich schnell Bewertungen und Vermutungen?
- Welche Art von Feedback hilft mir besonders?
- Habe ich meinem Trainer oder meiner Trainerin bereits mitgeteilt, wie ich Rückmeldungen am besten aufnehmen kann?
- Woran erkennt mein Team, dass ich etwas nicht verstanden habe oder Unterstützung brauche?
- Wie reagiere ich auf Kritik: mit Neugier, Rückzug, Rechtfertigung oder Gegenangriff?
- Welche Themen spreche ich häufig zu spät oder gar nicht an?
- Was befürchte ich, wenn ich ein schwieriges Thema offen anspreche?
- Trage ich dazu bei, dass andere Teammitglieder Fragen stellen und Fehler offen benennen können?
- Höre ich zu, um zu verstehen – oder bereite ich währenddessen bereits meine Antwort vor?
- Welche Kommunikationsvereinbarung würde unsere Zusammenarbeit unmittelbar erleichtern?
- Was möchte ich im nächsten Training konkret anders formulieren oder ansprechen?
Zum Weiterdenken
Gute Kommunikation bedeutet nicht, jederzeit die perfekten Worte zu finden. Sie zeigt sich vielmehr in der Bereitschaft, klar zu werden, aufmerksam zuzuhören, Missverständnisse zu korrigieren und gemeinsam nächste Schritte zu vereinbaren.
Athletinnen und Athleten können Kommunikation genauso trainieren wie technische, taktische oder andere mentale Fähigkeiten. Wer Gespräche bewusst vorbereitet und regelmäßig reflektiert, stärkt nicht nur das Miteinander, sondern auch Vertrauen, Lernfähigkeit und Leistung.
Die Reflexionsfragen können alleine bearbeitet oder gemeinsam mit mir als Sportpsychologen vertieft werden. Besonders hilfreich ist es, eine konkrete Situation auszuwählen, unterschiedliche Perspektiven zu betrachten und eine kleine, beobachtbare Veränderung für das nächste Training zu vereinbaren.
Leistung am Punkt – Wie geht’s weiter?
Im folgenden Newsletter widmen wir uns einem weiteren zentralen Thema der Mental Performance: „Mentale Routinen“.
Wie können wiederkehrende Abläufe Sicherheit und Orientierung geben?
Welche Routinen helfen dabei, den Fokus zu finden und auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben? Ich zeige, wie Athletinnen und Athleten persönliche Routinen entwickeln und gezielt einsetzen können. Was regelmäßig trainiert wird, kann im entscheidenden Moment verlässlich unterstützen und letztendlich leistungsfördernd bzw. siegesentscheidend sein!
Bleib dran – denn mentale Stärke entscheidet oft genau dann, wenn es darauf ankommt!
Ansprechpartner im Olympiazentrum Niederösterreich
Georg Hafner, MA
Gesundheits- & Sportpsychologe
Tel: +43 699 17279312
Email: office@georghafner.at
